Wozu Dienen Kriterien?

Kriterien dienen in WiQQi folgenden Zielen:

  • Abgrenzung: Kriterien erlauben es, LösungsansĂ€tze/Lösungen zu unterscheiden.
  • Reflexion: Kriterien erlauben es, LösungsansĂ€tze/Lösungen fachlich und ethisch zu reflektieren.
  • BegrĂŒndung: Kriterien erlauben es, die Entscheidung fĂŒr einen Lösungsansatz/eine Lösung zu begrĂŒnden.
  • Evaluation: Kriterien erlauben es, die Wirksamkeit eines Lösungsansatzes im Allgemeinen und einer Lösung im Konkreten zu belegen. Sie erlauben dadurch die systematische Evaluation und leisten damit einen Beitrag zur Evidencebasierten Pflege (EBN).

Kriterien sind damit:

  • Kern von WiQQi: Kriterien verbinden EinzelfĂ€lle, Lösungen/LösungsansĂ€tze und Evidence.
  • Wissenschaftliche Leistung: WiQQi ist ein Citizen-Science-Projekt in der Pflege. Die Identifikation von Kriterien ist die zentrale Wissenschaftliche Leistung, die WiQQi fĂŒr Praxis und Wissenschaft beitrĂ€gt.
  • SchlĂŒssel zur Wirkungsmessung: Die Wirkungsmessung von Komplexmaßnahmen in der Pflege ist eine Herausforderung.
  • …zentraler Entwicklungsgegenstand von WiQQi. Wir wollen gemeinsam einen Weg finden, Kriterien möglichst gemeinschaftlich zu erstellen und zu evaluieren. Die zentrale Herausforderung liegt neben kulturellen, methodischen und technischen Fragen darin, das richtige Niveau der Kriterien zu finden, so dass Sie sowohl im Einzelfall hilfreich als auch allgemein anwendbar sind.

 

Aktueller Entwicklungsgegenstand und Entwicklungsfragen:

Handhabbarkeit: Wie können Kriterien praktikabel eingesetzt werden?

 WiQQi will „verzehrfertiges Wissen“ anbieten. Wissen, das also ohne Umwege in die Praxis fließen kann. Dies kann in Form von Kriterien geschehen. Kriterien – insbesondere PrĂŒfkriterien können auch als Indikatoren operationalisiert sein. Wir machen folgenden Aufschlag zum Umgang mit Kriterien und freuen uns auf die Diskussion, denn: Sie benötigen die ethische und fachliche Diskussion!

Zielkriterien:

Auf Ebene der Evaluation (und auch des Screenings?) soll geprĂŒft oder gemessen werden, ob oder in welchem Grad ein Ziel erreicht wurde. Mit dem Ziel möglichst schlanker Instrumente kann auf dieser Ebene der Fokus auf das Ergebnis gesetzt werden. Im komplexen Pflegegeschehen werden damit Einflussfaktoren  (Maßnahmen, Vorschriften, Regeln, Normen) ausgeblendet und lediglich das Ergebnis in den Blick genommen. (Inspiration: Temple Grandin)

  • Beispiel Sturz:
    • Statt des Fragenkatalogs, der Einflussfaktoren abfragt (z.B. Einhaltung von DIN-Normen oder Verfahrensanweisungen, Rutschfestigkeit des Bodens, Material des Bodens, Steigung/Ebenerdigkeit des Bodens, Hindernisse am Boden, Feuchtigkeit auf dem Boden), wird nur die Frage gestellt, ob (oder wie hĂ€ufig) es zu StĂŒrzen oder sturzausgleichenden Bewegungen kommt.
    • Hierdurch kann abgeleitet werden, ob Maßnahmen erforderlich sind oder nicht. Allerdings ist dies auf die Situation der Beobachtung eingeschrĂ€nkt: Nur weil keine unerwĂŒnschten Ereignisse beobachtet wurden, bedeutet dies nicht, dass diese nicht auftreten können. Andererseits können die Instrumente mit dem Zielfokus schlank gehalten werden, so dass sie hĂ€ufiger angewendet werden können als umfangreiche Instrumente. Dies kann zu einer KontinuitĂ€t in der Beobachtung fĂŒhren und damit zur schlanken und dennoch bedarfsgerechten Prozessgestaltung fĂŒhren.
  • Zielsetzung:
    • Kriterien sind so formuliert, dass geprĂŒft oder gemessen werden kann. Das bedeutet, dass hinter den Kriterien definierte Mess- oder PrĂŒfergebnisse stehen mĂŒssen (Was zĂ€hlt als Ja/Nein? Wie und mit welcher Methode wird gemessen? In welcher Einheit? Mit welchem Genauigkeitsanspruch?).
    • Kulturell, methodisch und strukturell muss ein Verfahren gefunden werden, in dem Kriterien und deren Definitionen konsentiert werden können.

Problemkriterien:

Ist ein Ziel gefĂ€hrdet oder wird es nicht erreicht, will WiQQi dazu beitragen, dieses Risiko einzuschĂ€tzen und die Ursachen zu identifizieren. Es gilt also, das Problem zu identifizieren, das die Barriere oder LĂŒcke darstellt, durch die ein Ziel nicht erreicht werden kann. An dieser Stelle kann die Erfahrung aller Pflegender zusammengetragen werden, um zu sensibilisieren.

  • Beispiel Sturz:
    • Aus dem HTA-Bericht 116 personenbezogenen Einflussfaktoren (z.B. Angst, Ablehnung von PrĂ€ventionsmaßnahmen) auch prozess- oder umgebungsbezogene Einflussfaktoren (Umzug in einer andere Wohnumgebung, Toilettengang, Bodenbelag) benannt. Eine Sensibilisierung fĂŒr allgemeine Einflussfaktoren kann dazu beitragen, die individuellen Risiken besser zu erkennen.
    • Hierdurch können Probleme analysiert und prĂ€zisiert werden, d.h. es kann im Einzelfall systematisch ĂŒberprĂŒft werden ob oder welche Probleme, die allgemein bekannt sind, zum Tragen kommen.

  • Zielsetzung:
    • Die Kriterien sind mehrstufig geclustert, so dass zunĂ€chst Problembereiche ein- oder ausgeschlossen werden und im zweiten Schritt relevante Problembereiche vertieft werden.
    • Kulturell, methodisch und strukturell muss ein Verfahren gefunden werden, in dem Kriterien gesammelt, konsentiert und mehrstufig geclustert werden können.

PrÀventions- und Planungskriterien:

Sind Ziele und Probleme bekannt und benannt, sollen Kriterien dazu beitragen, passgenaue Lösungen zu identifizieren, zu reflektieren und begrĂŒndet auszuwĂ€hlen. Die Kriterien helfen insbesondere in der kollaborativen Problemlösung, indem der Bedarf als Problem-Ziel-Ressourcen-Konstellation mit jedem Kriterium genauer beschrieben werden kann.

  • Praxisbeispiele Sturz:
    • Im Einzelfall hilft eine [wandmontierte] WĂ€schespinne, sowohl einen Sturzrisiko-behafteten Weg zum AufhĂ€ngen der WĂ€sche zu verhindern. Gleichzeitig werden die Maßgaben der betroffenen Person, (1) den Garten, in dem auch Besuch empfangen wird und (2) die EigenstĂ€ndigkeit beim WĂ€schewaschen zu erhalten, eingehalten.
    • Im Einzelfall hilft ein [fernbedienbarer] Rauchmelder StĂŒrzen vorzubeugen, weil folgende Ressourcen fehlen: [Der Rauchmelder kann ohne Sturzgefahr mit dem Finger oder auf einem Stuhl erreicht werden], [der Stummschalteknopf kann mit einem Besenstiel oder Ă€hnlichem zuverlĂ€ssig erreicht werden]
    • Auf der Suche nach einem Nachtlicht zur SturzprĂ€vention tritt hĂ€ufig die Frage nach [Helligkeit] und [Farbe], aber auch der [Steuerung zum Ein- und Ausschalten] sowie der [Position] von Nachtlicht und Steuerung auf.
  • Zielsetzung:
    • In der WiQQi Datenbank werden Lösungen Kriterien zugeordnet, die fĂŒr die Praxis entscheidungsleitend sind. Auf Basis dieser Kriterien und der Erfahrung im Feld können Lösungen allparteilich bewertet werden.
    • Kulturell, methodisch und strukturell muss ein Verfahren gefunden werden, mit dem alle Interessierten einen Beitrag zur Evidence leisten können.

Gibt es Meta-Kriterien?

Die Frage, ob es Meta-Kriterien – oder Dimensionen – gibt, die ĂŒber alle Lösungen hinweg betrachtet werden sollen ist noch offen. Dimensionen wie „fachliche“ und „ethische“ Reflexion sind wesentlich fĂŒr WiQQi. In einer nĂ€chsten Ebene könnten folgende Dimensionen relevant sein:

  • BegrĂŒndungsrahmen: Ist die Lösung – als handlungsleitendes Instrument – Pflegewissenschaftlich begrĂŒndet und vertretbar?
  • VerfĂŒgbarkeit: Ist eine Lösung (in der Situation/ad hoc/grundsĂ€tzlich) verfĂŒgbar?
  • Rahmenbedingungen: Welche Strukturen mĂŒssen gegeben sein, um eine Lösung grundsĂ€tzlich anzuwenden?
    • Transparenz zur Funktionsweise der Lösung (Ist der Lösungsansatz kausal oder symptomatisch?)
    • Reichweite der Lösung
    • Grenzen der Lösung
    • Welchen Einfluss hat der Kontext auf die Reichweite und Grenzen der Lösung?
  • Kernprozesse: Was muss von wem getan werden, damit eine Lösung wirksam werden kann bzw. wirksam ist?
  • Nebenprozesse: Was muss von wem getan werden, damit eine Lösung langfristig wirksam werden kann bzw. wirksam bleibt?
    • Administration
    • Wartung
  • Wirkung:
    • ErwĂŒnschte Effekte
    • UnerwĂŒnschte Effekte (speziell: Rebound-Effekte, Verzögerungseffekte, Problemverschiebung)

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