Laborablauf

Das Labor und Bürgerlabor sind ein praktischer Ansatz von WiQQi, Wissen zu teilen und (weiter) zu entwickeln. WiQQi möchte einen Beitrag dazu leisten, dass verschiedene Perspektiven auf eine Problem-Ziel-Ressourcen-Konstellation, also einen Bedarf oder eine Lösung blicken und zusammengeführt werden. Daraus können Kriterien entwickelt werden, mit denen Lösungen ausgewählt und evaluiert werden können.


WiQQi weiĂź nicht alles.
Aber wenn wir unser Wissen teilen, wissen wir alle mehr.


Ein Praxisplan mit Visionen

  • Laboranfrage: Derzeit werden Anfragen an das WiQQi-Labor ĂĽber persönliche Kontakte adressiert.
    → Künftig sollen Laboranfragen über einen dafür ausgewiesenen Kanal adressiert werden.
  • Laborplanung: Derzeit werden Anfragen entsprechend der hauptamtlichen Ressourcen von WiQQi priorisiert und terminiert.
    → Künftig soll dieser Prozess durch Perspektivenvielfalt optimiert werden.
  • Einzelfall-Lösung: Derzeit werden Labore vorrangig in der ALADIEN-Musterwohnung konstruiert und erstmalig umgesetzt.
    → Künftig soll durch methodisch transparentes Vorgehen Labore an verschiedenen Standorten konstruiert und erstmalig umgesetzt werden.

    • Bedarfsklärung: Derzeit wird die Problem-Ziel-Ressourcenkonstellation im Perspektivenabgleich zwischen Ratsuchendem und Moderator geklärt.
      → Künftig könnte die Bedarfsklärung im Citizen-Science-Ansatz durch das hinzuziehen verschiedener Perspektiven ergänzt werden.
    • Recherche: Derzeit findet die Recherche aus nur einer Perspektive statt und wird vorrangig im hermeneutischen Fallverstehen erweitert.
      → Künftig könnte die Recherche durch Kollaboration deutlich beschleunigt und durch Perspektivenvielfalt vollständiger werden.
    • Bedarfspräzisierung: Derzeit machen wir die Erfahrung, dass die Recherche auch umfangreiche Detailfragen mit sich bringt.
      → Künftig soll dieses Nachfragen durch Perspektivenvielfalt und Kollaboration in der Bedarfsklärung reduziert werden.
    • Testung: Aktuell wie kĂĽnftig werden Lösungen am Einzelfall getestet. Nach Möglichkeit wird aktuell wie kĂĽnftig eine Einschätzung der Interessierten vor Ort eingeholt.
    • Kriteriengenerierung: Aktuell wie kĂĽnftig werden aus den EinzelrĂĽckmeldungen Kriterien generiert, die anderen in der Auswahl einer bedarfsgerechten Lösung helfen.
      → Künftig soll die Kriteriengenerierung durch Perspektivenvielfalt unterstützt werden.
    • Evaluation: Derzeit wird die Evaluation durch persönlich koordinierte Nachsorge eingeholt.
      → Künftig soll die Evaluation strukturiert und entsprechend der Problemstellung terminiert erfolgen.
  • Validierung: Derzeit ist in Planung, Labore so aufzubereiten, dass Sie an anderen Standorten umgesetzt werden können.
    → Künftig sollen die Strukturen hierzu niederschwelliger werden.

Das Laborkonzept

Ăśber Probleme reden heiĂźt fĂĽr WiQQi, gemeinsame Interessen in den Fokus zu nehmen.


Ein Problem zu erkennen ist der erste Schritt, es zu überwinden und ein Ziel dennoch zu erreichen. Es zu kommunizieren ist ein zweiter Schritt, der immer dann hilfreich ist, wenn mehrere Menschen beteiligt sind. Denn wir Wissen, dass das sprichwörtliche Rad nicht immer wieder neu erfunden werden muss. Viel wichtiger ist es, dass die Menschen, die die Lösung für ein Problem suchen mit jenen in Kontakt kommen, die das gleiche oder ein ähnliches Problem bereits gelöst haben.
Verschiedene Standpunkte führen wiederholt zu Spannungen im zwischenmenschlichen Kontakt, mitunter erwachsen daraus Vorwürfe. In WiQQi klären wir zuerst das gemeinsame Interesse. Denn: Wenn wir auf das gleiche Ziel schauen, das gleiche Interesse verfolgen, dann sehen wir aus verschiedenen Standpunkten mehr Optionen.

In Kürze: WiQQi zielt darauf ab, Lösungen im konkreten Einzelfall zu lösen.

Praxisbeispiel Gurkenglas: Wir wurden gebeten, eine Lösung zum Ă–ffnen eines Gurkenglases zu finden: „Das geht zu schwer“.

Lösungsvielfalt ermöglicht, individuelle Bedarfe zu erfüllen


Aus dem Einzelfall heraus wollen wir die Situation genauer beleuchten, was genau das Ziel ist – und wie genau das Problem verhindert oder erschwert, dass das Ziel erreicht wird. Darauf aufbauend können verschiedene Lösungsansätze gesucht werden.


Praxisbeispiel Gurkenglas: Ziel: In der Vergangenheit wurde das Glas geöffnet, indem mit einer Hand das Glas und mit der anderen der Deckel geöffnet wurde und gegeneinander gedreht wurde.

  • Behelfslösung: Die bestehende Lösung war, das Gurkenglas zu zweit zu öffnen: Person 1 Hält das Glas mit zwei Händen, Person 2 dreht den Deckel mit zwei Händen. ⇒ Die aufgebrachte Kraft und die aufgebrachte Reibung wurde erhöht – aber auch die Zahl der benötigten Personen und damit unerwĂĽnschte Abhängigkeit erzeugt.
  • Weitere Lösungsansätze:
    • Hebel einsetzen: Durch einen vergrößerten Hebel wird die vorhandene Kraft vergrößert, indem mehr Weg ZurĂĽckgedreht wird (z.B. GurtbandschlĂĽssel, Klebeband)
    • Kraftaufwand reduzieren: Durch einen Druckausgleich wird das Vakuum im Glas aufgehoben oder reduziert oder Deckelreibung reduziert und dadurch die notwendige Kraft verringert (z.B. HeiĂźwasser-Anwendung, Vakuum zerstören bzw. Druckausgleich)
    • Reibung erhöhen: Durch abtrocknen/reinigen der Hände, Gummi-ZwischenstĂĽcke etc. wir die Reibung zwischen Hand und Glas erhöht.
    • Hand freigeben: Durch Klemm- und Haltevorrichtungen kann auch eine Hand freigegeben werden, so dass nur noch Deckel oder Glas gehalten werden muss.

 

Kriterien zur Bewertung von Lösungen finden


Verschiedene Lösungsansätze aufzufächern schärft unserer Erfahrung nach den Blick fĂĽr die dahinterstehenden Wirkprinzipien – aber auch fĂĽr die zur Umsetzung benötigten Ressourcen. Wiederholt kommt rasch eine Aussage „Das ist besser (oder nicht so gut) wie das Andere.“ Kriterien helfen uns dabei, genauer zu Beschreiben: „Warum genau ist es besser?“

Praxisbeispiel Gurkenglas:
Wichtige Kriterien wurden indirekt ĂĽber Ausschlusskriterien generiert:

  • Prozess: Muss eine Lösung ausgeschlossen werden, weil die notwendigen Prozessschritte nicht umgesetzt werden können?
    • z.B. Beweglichkeit: Es gibt Ă–ffnungshilfen, die an am Unterschrank fixiert werden. Das Glas muss dann zum Unterschrank gefĂĽhrt werden. Entsprechend muss die Beweglichkeit (der Schulter) gegeben sein.
  • Struktur/Ressourcen: Muss eine Lösung ausgeschlossen werden, weil die notwendigen Strukturen nicht umgesetzt werden können?
    • z. B. Kosten: Muss eine Lösung ausgeschlossen werden, weil sie nicht finanziert werden kann?
    • z. B. Einarmbedienung: Muss eine Lösung ausgeschlossen werden, wenn nur ein Arm oder nur eine Hand genutzt werden kann?
  • Ergebnis: Muss eine Lösung ausgeschlossen werden, weil das Ergebnis nicht der Zielvorstellung entspricht?
    • z. B. Hygiene: Das Vakuum im Glas kann reduziert werden, indem der Deckel durchlöchert wird. Das kann hygienisch bedenklich sein.

 

 

Fachliche und ethische Reflexion: Allparteilich


Kriterien helfen uns, auf rationaler Ebene Missverständnisse zu reduzieren. Auf emotionaler Ebene fĂĽhren insbesondere als konfligierend erlebte Wertevorstellungen zu Missverständissen oder zu Konflikten in der Kommunikation. Aber auch zur Ablehnung von fachlich-rational geeigneten Lösungen. Mit einem „Werte-Pool“ sammelt WiQQi mit Lösungen verbundene Wertvorstellungen und möchte damit fĂĽr mögliche Fragestellungen sensibilisieren. Liegt ein Dilemma vor, ist es fĂĽr uns wichtig, eine begrĂĽndete und umsichtige Entscheidung zu treffen. Dies ist Voraussetzung dafĂĽr, benachteiligte Werte besonders zu schĂĽtzen.


Praxisbeispiel Gurkenglas: Moralische Fragestellungen oder Unbehagen kann auch bei einfachen Lösungen präsent sein. Die folgende Werte (aber auch andere) können – mĂĽssen aber nicht miteinander in Konflikt stehen.

  • Soziale Teilhabe: Lösungen können soziale Teilhabe reduzieren, weil eine Gelegenheit fĂĽr zwischenmenschliche Kontakte nicht mehr notwendig ist.
  • Autonomie: Lösungen können Autonomie fördern, weil ein Mensch nicht mehr auf die UnterstĂĽtzung anderer angewiesen ist.
  • Gerechtigkeit: Eine Lösung (nicht) zu Nutzen kann zum Nachteil oder Vorteil anderer fĂĽhren. Eine Entscheidung kann dafĂĽr sorgen, dass ein Mensch mehr oder weniger Zeit fĂĽr andere Dinge zur VerfĂĽgung hat. Eine Entscheidung kann dazu fĂĽhren, dass ökologisch mehr oder weniger Ressourcen genutzt werden.

 

 


Publikation zum Labor-Ansatz fĂĽr ALADIEN (Evangelische Heimstiftung GmbH, 2017)

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