Wie wie gehe ich mit einem speziellen Essenswunsch um? (Spiegelei und Spinat)

Im Workshop bearbeiten wir folgende Situation: Eine „onkologische Privatpatientin“ (bitte entschuldigen Sie diese Begrifflichkeit) wünscht sich von einer Auszubildenden Person, dass diese Ihr ein Spiegelei und Spinat kocht. In der realen Situation wurde dieser Wunsch mit einem beharren auf dem Eigenen Standpunkt (keine Zeit, keine Zugriff auf Küche und Zutaten, nicht mein Job) zurückgewiesen.
Fragestellung: Wie hätte das Wissen von vielen an dieser Stelle weiterhelfen können?
Methode: Alle suchen für sich nach Lösungsoptionen, wählt davon eine aus und begründet, weshalb diese Option gewählt wurde.

Handlungsoptionen:

  • Delegation:
    • Küche: Den Wunsch an die Küche oder zuständige Personen weitergeben. Die Patientin Informieren, falls der Wunsch erst mit Verzögerungen erledigt werden kann.
    • Angehörige: Abklären, ob Angehörige das Wunschgericht zubereiten können.
    • Lieferdienst: Abklären, ob ein Lieferdienst, dass Essen besorgen kann.
  • Alternativen anbieten:
    • Im Essensplan abklären, wann das Wunschgericht angeboten werden kann.
    • Abklären, ob die vorhandenen Lebensmittel Appetit anregend sind.
  • Bedarf klären:
    • Mit dem Patienten klären, worum genau es geht (für den Fall, dass gar nicht der volle/hintergründige Wunsch geäußert wurde).
    • Ernährungszustand evaluieren: Ist dieser ein vordringliches Problem? Welche Maßnahmen können für die Zukunft eingeleitet werden?
  • Wunsch umsetzen:
    • In meiner Einrichtung habe ich Zugriff zur Küche und Lebensmitteln. Ich kann den Wunsch umsetzen.
    • Aktivierung anbieten: Ich kann mit der Patientin in die Küche gehen und gemeinsam kochen.

Begründungen für Umsetzungen:

  • Wünsche des Menschen sollen berücksichtigt werden.
  • Bei generellem Appetitverlust soll aufkommender Appetit unterstützt werden.
  • Der Lebensalltag und die Normalität soll auch in der Pflegesituation unterstützt werden. Häuslichkeit soll gelebt werden.
  • Ich selbst würde mich auch über leckeres Essen freuen.

Begründungen für Ablehnungen, das Essen selbst zuzubereiten:

  • Die Tätigkeit ist nicht Teil meines Aufgabengebiets (Stellenbeschreibung).
  • Regelungen des Arbeitgebers (Hygiene, Zugang, etc.).
  • Keine Zeit.
  • Ich müsste andere Patienten vernachlässigen.
  • In den gegebenen Strukturen können wir Sonderwünsche leider nicht berücksichtigen.

Aufschlag für abgeleitete Kriterien

  • Infrastruktur: Steht eine Infrastruktur (inkl. Zutaten) zur Verfügung….
    • in der aktivierend gekocht werden kann und darf?
    • in der die Pflege kochen kann und darf?
    • in der das kochen delegiert werden kann?
    • in der (individuelles) Essen bestellt/mitgebracht werden kann?
  • Ressourcen:
    • Kann/will die zu Pflegende Person mitkochen?
    • kann die Pflege den Wunsch im erwünschten Zeitfenster umsetzen?
    • sind Personen vor Ort, die den Wunsch im erwünschten Zeitfenster umsetzen können?
    • können Lieferdienste bezahlt werden?
  • Pflegeziele:
    • Liegen Pflegeziele in Bezug auf die Ernährung vor? (z.B. durch Appetitlosigkeit, Nebenwirkungen von Medikamenten, Mangel- und Fehlernährung, …)
    • Liegen Pflegeziele in Bezug auf die Gestaltung der Häuslichkeit vor (z.B. Entlassvorbereitung, Erhalt der Selbständigkeit, Aktivierung, …)
  • Moral/Wertebezug:
    • Schade ich Anderen, wenn ich einer Person besonders viel Zeit widme und für Sie koche?
    • Nutze ich der zu Pflegenden Person, wenn ich für Sie koche?
    • Schade ich der Betroffenen Person, wenn ich nicht für Sie koche?

Wir freuen uns über weitere Impulse und Kommentare.

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